Thomas Tallis (1505-1585): The Lamentations of Jeremiah

Weihnachtskonzert 2025
Sonntag, 29. März 2026, 17.00 Uhr
Kirche Maria Frieden
Ausführende: Florencia Menconi (Mezzosopran), Raphaël Joanne (Tenor), Davud Werner (Tenor), Roger Casanova (Bariton), Sebastián León (Bariton und Leitung), Dirk Trüten (Orgel)
Die «Lamentations of Jeremiah» gehören zu den ergreifendsten Vertonungen der Klagelieder des Jeremias, in denen die Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahre 586 v. Chr. und die anschliessende Vertreibung der Juden beklagt wird. In der katholischen Liturgie bilden sie traditionell die Lesungen der Matutin in der Karwoche. Jede Lektion schliesst mit dem flehentlichen Aufruf an das Volk: „Jerusalem, wende dich zu Gott, deinem Herrn“.

Thomas Tallis hat in seinem über 40jährigen Dienst als Organist für Klerus und Königshaus alle Macht- und Konfessionswechsel des Jahrhunderts heil überstanden. Vielleicht bewegten ihn die Erfahrungen dieser blutigen Zeit zur Komposition der Lamentationen. In der Gliederung der umfangreichen Texte verfuhr Tallis in beiden Werken ähnlich: Die Ankündigung Incipit lamentatio Jeremiae prophetae bzw. De lamentatione Jeremiae prophetae fungiert als feierliche Einleitung in Imitationen. Danach kommt es zum kontinuierlichen Wechsel zwischen den hebräischen Buchstaben Aleph, Beth etc. in der Form «seelenvoller Melismen» und den streng syllabisch vertonten lateinischen Versen. In letzteren werden die Klagen des Propheten Jeremias über die Zerstörung Jerusalems in den akkordischen Satz der neuen anglikanischen Musik gekleidet.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der abgedunkelte Klang der Lamentationen, in denen nur die tiefen Stimmen Alt, Tenor und Bass eingesetzt werden. Dieser gedeckte Klang passt zur Liturgie der Karwoche mir ihren von Busse und Umkehr geprägten Texten.