Tiziana Pizzino

Amtseinsetzung der neuen Domherren

„Werdet Pioniere des Heils“
Bischof Joseph Maria Bonnemain vervollständigt Churer Domkapitel.
Die feierliche Amtseinsetzung der sechs neuen Domherren in der Churer Kathedrale wurde von Dankesworten umrahmt. Bischof Joseph Maria eröffnete den Gottesdienst mit persönlichen Worten an die anwesenden Mitbrüder, die Gäste der neuen Domherren und die zahlreich erschienenen Gläubigen. Der frisch eingesetzte Dompropst, Albert Fischer, schloss den Festgottesdienst mit den Worten: „Der Dank geht an Sie, lieber Herr Bischof. Sie haben uns Ihr Vertrauen geschenkt, Ihre grosse Wertschätzung gezeigt, geben uns aber auch eine grosse Aufgabe mit auf den Weg als Priester und Seelsorger – nun auch als Mitglieder einer alten wie bedeutenden Institution „Domkapitel Chur“.“

Die ganze Feier in der Mutterkirche des Bistums Chur war getragen von einer spürbaren Harmonie und Brüderlichkeit. Mit der Installation der neuen Domherren wurde nicht nur das Domkapitel vervollständigt, sondern auch ein neues Kapitel des Bistums aufgeschlagen. Ihre Sendung im Kapitel und als Domherren im Bistum gelinge, wenn sie sich bemühen würden, den Herrn in ihrer Mitte zu haben, nicht um dadurch „Siege“ zu erkämpfen, sondern um mit ihrem besten Engagement und vor allem mit ihren Herzen als Glied einer „Communio“ Gutes zu bewirken, führte Fischer aus. Auf diesem Weg, mit Gott in der Mitte, werde Gutes gelingen und Früchte tragen.

Geschwisterlichkeit als Motivation und Vorbild
Bischof Joseph Maria Bonnemain liess die zwei neuen, residierenden Domherren Albert Fischer, Dompropst, und Jürg Stuker, Domkantor, sowie die vier nichtresidierenden Domherren Generalvikar Luis Varandas, Zürich, Pfarrer und Dekan Daniel Krieg, Altdorf, Pfarrer und Dekan Adrian Lüchinger, Horgen, sowie Pfarradministrator und Spiritual des Priesterseminars St. Luzi Karl Wilhelm Wolf, Küsnacht, laut und deutlich das Treueversprechen eines Domherren ablegen „dem Bistum Chur treu zu dienen“, „sich für die Belange der Kathedrale einzusetzen“ und den „Verpflichtungen im Domkapitel nachzukommen“. Das Domkapitel sei mehr als eine kanonische, juristische Person, mehr als ein Gremium, mehr als ein Kollegium, erinnerte Bischof Bonnemain.

In früheren Jahrhunderten seien die Kathedralkapitulare bekanntlich „Fratris Episcopi“, Brüder des Bischofs, genannt worden. Diese kanonische, ekklesiologische Verbundenheit würde sie unter sich zu Geschwistern machen. Diese gelebte Geschwisterlichkeit aller Domherren unter sich sollte eine grosse Motivation und ein ausstrahlendes Vorbild für die ganze Diözese sein, wünschte sich der Bischof. „Die Gläubigen überall werden sofort feststellen, dass jeder von uns über die anderen Mitbrüder nur Gutes sagt, keine destruktive Kritik übt oder zulässt und die Mängel der anderen Domherren nachsichtlich entschuldigt“, fügte er an. Gerade hier seien sie alle dazu berufen, Pioniere des Heils zu sein, denn sie könnten davon ausgehen, dass die Gläubigen darüber sprechen würden, die gelebte Brüderlichkeit des Kapitels bekannt werde und Nachahmung finden werde.

Revolutionäre der Diakonie
Mit seiner Aufforderung an alle Domherren, Ansporn, sogar Sauerteig, Initiator und Motivator eines 100-prozentigen diakonischen Denkens und Handelns im Geiste eines unersetzlich und wirksamen Domkapitels zu sein, nahm Bischof Joseph Maria die Herren zum Dom in die Pflicht: „Die Definition eines Domherrn von Chur sollte lauten: Er ist ein Diakonie-Revolutionär.“ Das Domkapitel verfüge über ein beträchtliches Vermögen, das sie mit grossem Verantwortungsbewusstsein verwalten und sichern sollten. Da der Kult und die Liturgie, die Anbetung und die Ehre Gottes, das Hauptziel des Domkapitels seien, sollte es möglich sein, das Kapital vermehrt und grossherzig diakonischen Projekten im Bistum zur Verfügung zu stellen. Die Armen wirksam zu verehren, könne als erster Zweck des Domkapitels Unserer Lieben Frau zu Chur verstanden werden.

Nach dem Vorbild Jesu zu handeln und zu wirken, gibt Bischof Bonnemain den Gläubigen in seinen Predigtworten mit auf den Weg – genauso wie der Herr vor dem Aussätzigen nieder zu knien, in tiefster Barmherzigkeit, als Leitbild. „Ich kenne einen Priester, der Papst Johannes Paul II. sehr oft bei seinen Eskapaden, in den Abruzzen Ski zu fahren, begleitete“, erzählte Bischof Joseph Maria. Er fragte den Papst, was er denn zwei Stunden in Meditation vor der Messe mache? Der Heilige Vater antwortete ihm: „Mauro, wenn ich nicht viele anbetende Stunden vor dem Allerheiligsten verbracht hätte, hätte ich nicht gelernt, vor jedem Menschen niederzuknien.“

Chur, 13. Januar 2022
Nicole Büchel, Kommunikation Bistum Chur
Bereitgestellt: 17.01.2022      
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